Schwarzer Bär

>Bilder von 1912 und 2006
Ihmebrücke Schwarzer Bär 1901
>
Das Rätsel um die Zwillingstürme von 1910 ist gelöst

Jürgen Wessels Recherche
Garnisonskirche am Goetheplatz

hoch
Bilder von 1912 und 2006

Zum Jahreausklang 2006 haben wir noch ein Vergleichsfotopaar zu bieten, das wegen der anstehenden Brückenbauarbeiten am Schwarzen Bären von Interesse sein dürfte.

2006.12.27_ATT00081_1

Das historische Foto aus der Privatsammlung von Frau Ilse Popp, die leider kürzlich verstorben ist, ist mit dem Jahr 1912 datiert. Es zeigt den damaligen Neubau der Ihmebrücke (rechts) einschließlich einer parallelen Behelfsbrücke (links), über die während der Bauarbeiten der Verkehr 
abgewickelt wurde. Das Capitol gab es vorne links noch nicht. In dem beschatteten Gebäude mit der wuchtigen Kuppel am rechten Bildrand befindet sich heute der Irish Pub. Im Hintergrund sehen wir von links nach rechts die Kirchtürme der Kreuzkirche, der Neustädter Kirche, der Marktkirche, 
der Aegidienkirche (halbrechts ganz schwach im Dunst mit hohem, spitzem Turm) und der evang. -reformierten Kirche (dicht rechts von der Aegidienkirche, ebenfalls im Dunst). Dagegen konnte ich bisher die Zwilligstürme hinter dem hellen Gebäude am  rechten Bildrand nicht identifizieren. Vielleicht kann da wieder ein  Leser/eine Leserin weiterhelfen? Natürlich wäre es auch interessant, weitere Informationen oder Bilder zum damaligen Brückenneubau zu erhalten. 
In etwa 2 Wochen werden wir eine (colorierte!) Ansicht der alten Brücke mit ihren Sandsteinpfeilern nachschieben.

2006.12.27_ATT00084_1

Das aktuelle Vergleichsfoto zeigt die derzeitige Behelfshaltestelle "Schwarzer Bär" der Stadtbahnlinien 9 und 17 auf der Benno-Ohnesorg-Brücke. Das Bild habe ich von der Gemeinschaftspraxis Schumm, Kornacker, Nolting (Schwarzer Bär 8, 6. Etage) aus fotografiert. 
Die Türme der Marktkirche und der evang.-reformierten Kirche sind nach wie vor zu sehen. Zwischen der Marktkirche und dem Capitol sehen wir halblinks außerdem das Kröpcke-Center sowie den "Telemax" am anderen Ende der Stadt. ...
Michael Jürging

hoch
Ihmebrücke Schwarzer Bär 1901

2007.01.04_ATT00056_1

Wie ... angekündigt, schieben wir zu unserem Vergleichsbildpaar "Ihmebrücke Schwarzer Bär 1912/2006" noch ein Foto der alten Ihmebrücke, d.h. der Vorläuferin der heutigen Benno-Ohnesorg-Brücke  nach. Es handelt sich um eine colorierte Postkarte aus dem Jahre 1901, die  wie schon das Foto von 1912 aus der Sammlung von Frau Ilse Popp stammt. Der Blick geht flussabwärts. Vorne rechts, wo die Ruderboote liegen,  befindet sich heute der Anleger für die Fahrgastschiffe der "Hannoverschen  Personenschifffahrt". Die Hausecke am linken Bildrand gehört zu dem  Gebäude, das auf dem SW-Foto von 1912 am rechten Bildrand durch die  wuchtige Kuppel auffällt.
04.01.2007
Michael Jürging

hoch
Das Rätsel um die Zwillingstürme von 1910 ist gelöst
Auf dem Foto von den Bauarbeiten an der Ihmebrücke im Jahre 1912 sind am Horizont fünf Einzeltürme und - schon fast am rechten Bildrand - ein Paar Zwillingstürme zu sehen. Die Einzeltürme meinten wir identifiziert zu haben, die Zwillingstürme blieben bisher ein Rätsel, welches jetzt gelöst ist.

2006.12.27_ATT00081_2_1

Das Rätsel um die Zwillingstürme von 1910 ist gelöst: -> mehr

Spekulationen vorher:
Ich habe mir daraufhin im hannoverschen Rathaus noch einmal das Stadtmodell von 1939 genau angesehen. Wie der Zufall so spielt, ist das Gebäude am Schwarzen Bären - und damit der historische Fotostandort - gerade noch am Rande des Modells dargestellt. So lässt sich die damalige Blickrichtung des Fotografen über die Ihmebrücke hinweg auf das hannoversche Zentrum hübsch in 3-D nachvollziehen. Sogleich bestätigte sich, dass es sich bei den drei Kirchtürmen auf der linken Bildseite um (von links nach rechts) die Kreuzkirche, die Neustädter Kirche und die Marktkirche handelt. Aber bei den beiden kleineren Türmen halbrechts ist bereits eine Korrektur fällig: Der linke, spitze Turm gehört zur reformierten Kirche. Bei dem rechten handelt es sich hingegen um den Turm der Wasserkunst am Leineschloss. Er wurde nach seiner Zerstörung im 2. WK nicht wieder aufgebaut. Heute stehen dort die Skulpturen der "Göttinger Sieben". Unsere ursprüngliche Interpretation, der spitze Turm würde zur Aegidienkirche gehören und der rechte zur reformierten Kirche, ist also hinfällig. Und damit kommen wir zu den mysteriösen Zwillingstürmen. Am Modell sowie durch sorgfältiges Nachjustieren an einem Stadtplan hat sich gezeigt, dass die Aegidienkirche ausgerechnet in der Fluchtlinie der Zwillingstürme zu suchen wäre. Aber die Aegidienkirche besaß natürlich stets nur einen Turm. Andererseits weist die Silhouette der Zwillingstürme eine geradezu verblüffende Ähnlichkeit mit der Garnisonskirche auf - nur stand die wiederum am Goetheplatz und damit links(!) außerhalb des Fotoausschnitts.

Das Verwirrspiel hat zu einigen interessanten Spekulationen Anlass gegeben. Z.B. wurde gemutmaßt, das Foto könne seitenverkehrt wiedergegeben sein. Oder es könnte sich um die beiden kleineren Nebentürme des hannoverschen Neuen Rathauses handeln, das 1912 noch im Bau war, so dass die große Kuppel noch nicht zu sehen sei. Die Nachprüfung ergab jedoch schnell, dass das Neue Rathaus rechts außerhalb des Fotoausschnitts liegt. Als auch alles Suchen in alten Hannover-Bildbänden keine plausible Erklärung brachte, schlichen sich allmählich Zweifel ein, ob das noch mit rechten Dingen zugehen konnte. Ich habe mir schließlich das Foto am PC-Bildschirm - wir verfügen lediglich über eine digitale Version - in der "verdächtigen" oberen rechten Ecke vergrößert. Und siehe da: Genau um die beiden Zwillingstürme herum ergab sich ein zwar schwaches, aber doch hinlänglich erkennbares graues Rechteck.

Mit anderen Worten: Die Zwillingstürme der Garnisonskirche wurden in das Foto hinein retuschiert! Möglichkerweise hängt sogar die eher mäßige fototechnische Qualtität des Bildes damit zusammen, dass für die Retusche eine zusätzliche Vervielfältigung nötig war?! Jedenfalls können wir allen, die bei den Zwillingstürmen auf die Garnisonskirche getippt haben, im Sinne von Radio Eriwan Recht geben: "Im Prinzip ja, aber ..."
Michael Jürging

hoch
Jürgen Wessels Recherche

Unabhängig voneinander suchten Michael Jürging und Jürgen Wessel die Stadtmodelle im Neuen Rathaus am Trammplatz auf. Es trieb sie die Frage um: 'Wie kommen die Türme der Garnisonkirche in das Panorama des Fotos von 1912 aus dem Nachlaß von Ilse Popp, oder was könnte das sonst noch gewesen sein?' Herr Jürging (die beiden haben sich leider im Neuen Rathaus nicht getroffen) erkannte, daß an der Stelle der hineingetürkten Zwillingstürme der Garnisonkirche eigentlich die Aegidienkirche auf dem Foto hätte zu sehen sein müssen und daß links davon der Turm der Wasserkunst stand. Jürgen Wessel hatte sich auf den Holzweg begeben, daß die Türme auf der Maschparkseite des Neuen Rathauses (vorausgesetzt die Rathaus-Kuppel war seinerzeit noch im Bau und nicht zu sehen) des Rätsels Lösung seien. Darauf war gleichzeitig auch noch ein anderer Rätselfreund gekommen. Ein Kirchturm-Panorama-Komplett-Fanatiker hat uns wohl diesen Streich 1912 gespielt und aus einem anderen Foto die Türme der Garnisonkirche ausgeschnitten und dazugeklebt (vielleicht mochte er auch die Aegidienkirche nicht ?). Herr Jürging kam dem Spaßvogel auf die Spur, er schreibt: <<Ich habe mir schließlich das Foto am PC-Bildschirm - wir verfügen lediglich über eine digitale Version - in der "verdächtigen" oberen rechten Ecke vergrößert. Und siehe da: Genau um die beiden Zwillingstürme herum ergab sich ein zwar schwaches, aber doch hinlänglich erkennbares graues Rechteck. Mit anderen Worten: Die Zwillingstürme der Garnisonkirche wurden in das Foto hinein retuschiert!>>. HalloLinden möchte die Fotos, die Jürgen Wessel aus dem Bereich Schwarzer Bär von den Stadt-Modellen 1939 und 1945 gemacht hat, hier zeigen.

 

2006.12.27_Schwarzer_Baer_1939_Stadtmodell_1

Die Rückwand vorn ist jeweils das Jugendstilhaus, Schwarzer Bär 8,  von 1902. Wir sehen, daß das Haus Ecke Adolfstraße/Humboldtstraße im Krieg stehen geblieben ist und von der Häuserreihe in der Deisterstraße nur Schwarzer Bär 7 (heute Foto Fricke) stehen blieb, dagegen daneben Deisterstraße 9 (heute Orthopäde Kleinstäuber) zerstört wurde. Offiziell bekamen die Häuser erst 1954 die Anschrift 'Schwarzer Bär', es würde aber verwirren, wenn wir z.B. das Irish-Harp-Haus an der Ihme-Brücke (heute:Benno-Ohnesorg-Brücke) zeitgemäß mit Deisterstraße 1, statt Schwarzer Bär 1, benennen würden.
31.12.2006
Jürgen Wessel

hoch
Garnisonskirche am Goetheplatz

2007.01.06_Garnisonskirche_Scan10184_1

Wie ich auch von Herrn Schröder-Baumgart erfahren habe, war es seinerzeit nicht unüblich z.B. eine ganze Eisenbahnlok irgendwo in einem Foto mit unterzubringen, wo sie eigentlich nicht beim Fotografieren gestanden hatte. Zu diesem Ergebnis kam auch Herr Jürging, daß die Türme nachträglich dort eingepaßt wurden, wo sie nicht hingehören. Gerhard Lünser, der Chronist des Kleingärtnervereins Linden e.V., sandte mir jetzt ein Foto von 1951 zu. Er schreibt:"Lieber Jürgen, Nach langem Suchen in meinen vielen Bilderalben habe ich dieses Bild vom Goetheplatz von 1951 gefunden. Meine Frau führte ihr neues Fahrrad das erstemal aus. Herzliche Grüße von Gerhard"
Gegen eine Veröffentlichung des Fotos mit der Garnisonkirche (da fehlten wohl ein paar Dachziegel !) haben Lünsers nichts einzuwenden. Beste Grüße und schönes Wochenende
05.01.2007
Jürgen Wessel